Ich geb‘ mir die Zeit #ootd

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Die Zeit entscheiden lassen. Den Dingen ihre Zeit geben. Auf die Zeit vertrauen. Alles weise Sätze. Einfach zu verstehen, aber so schwer umzusetzen.

Mein ganzes Leben schon habe ich mit der Zeit gehadert. Als ich klein war, konnte die Zeit nicht schnell genug vergehen. Ich wollte endlich wieder ein Jahr älter sein, endlich wieder Weihnachten feiern, endlich wieder Sommerferien haben, endlich wieder, endlich wieder… Mit der Zeit begann ich über die Vergangenheit nachzudenken und wünschte sie mir zurück. Auf einmal schien alles viel zu schnell vorüber zu sein. Meine Zeit schien abzulaufen. Und ich konnte gar nicht so schnell denken, wie ich jetzt Entscheidungen treffen sollte. Was sollte ich machen nach der Schule? Wer wollte ich sein?

Ein paar Jahre später. In der Gegenwart angekommen. Und wieder geht mir alles nicht schnell genug. Am liebsten würde ich alles schon erledigt wissen. Hätte alles schon gemacht, alles gesehen. Ich hätte schon überall sein sollen. Warum hab ich nur nicht? Mir scheint die Zeit ist ein unfairer Gegner. Jahre ziehen einfach vorbei. Minuten können zur Qual werden. Geht es nur mir so? Bin ich der einzige, bei dem die Zeit einfach so abzulaufen scheint?

Nein ich bin es, der falsch spielt. Der die Zeit zu umgehen versucht. Und wie oft habe ich mich dann geärgert, dass ich nicht die Zeit genossen, den Moment gelebt habe. Und verfiel damit schon wieder in die Vergangenheit. Ich kann mich mit Freude an Vergangenes erinnern. Aber ich kann es nicht zurückholen, und soll dem nicht hinterhertrauern. Und ich kann Pläne für die Zukunft machen. Aber ich kann keinen Anspruch an die Zeit stellen, dass ich diese auch umsetzen werde.

Zeit kann so komisch sein. Es ist drei Jahre her, dass ich von meinem Jahr in Paris zurückkehrte und den Sommer mit meinen neuen Freunden durch Norditalien reiste. Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Zwei Jahre ist es her, dass ich mein Master-Studium begann. Das war doch erst gestern. Den Sommer vor einem Jahr fuhren wir mit unserem kleinen Wohnwagen an der ganzen Ostseeküste entlang. Das war ein anderes Leben.

Wieder ist ein Monat vorbei. Heute haben wir den ersten Oktober. Ich finde, die Wochen gehen gerade so schnell rum. Kaum angefangen ist wieder eine vorüber. Aber zur Zeit stört mich das nicht. Ich glaube ich habe so etwas wie Frieden geschlossen. Ich kann den Lauf der Zeit nicht aufhalten. Oder existiert Zeit eigentlich gar nicht? Egal wie es ist, alles was wahr ist, ist doch der Moment. Und den will ich leben, egal wie er aussieht. Ob das auf der Couch nichts tun bedeutet, oder am schönsten Ort der Welt zu sein – jeder Augenblick hat seine Berechtigung. Ganz ohne hetzen, ganz ohne Eile, ohne Zurückblicken. Einfach nur verweilen. Denn das ist das einzige, was ich verpassen kann. 

Alles hat seine Zeit. Und die geb‘ ich mir jetzt.

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Fotos: Nadine Hanke

Bluse: Takko // Hose: Takko // Schuhe: Converse // Jacke: S.Oliver

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Ein Gedanke zu “Ich geb‘ mir die Zeit #ootd

  1. Das Problem mit der Zeit kommt mir bekannt vor. Als Kind und als Jugendliche wollte ich auch möglichst schnell erwachsen sein, heute vergeht die Zeit meistens viel zu schnell….
    Ich glaube im Moment zu verweilen und ihn bewusst zu erleben und zu genießen ist wirklich wichtig!
    Liebste Grüße

    Gefällt 1 Person

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